Verantwortung für Nahrungssicherung und Ernährung
9. bis 11. Juni 2010 in Berlin, Deutschland
Film der Konferenz 2008:
Kurzfilm zur Konferenz (mp4-Datei; 21 MB)
Thema und Zielsetzung
Vom 9.-11. Juni 2010 fand in Berlin die achte Konferenz der Politikreihe „Politik gegen Hunger“ zum Thema „Verantwortung für Nahrungssicherung und Ernährung“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, im Nachgang des Welternährungsgipfels 2009 in Rom und der Reform des Ausschusses für Welternährungssicherung (Committee on World Food Security, CFS) ein Diskussionsforum zu dem Themenkomplex Governance, Nahrungssicherung und Ernährung zu schaffen und insbesondere mit Blick auf die bevorstehende erste Sitzung des reformierten CFS konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.
Die Konferenz brachte Schlüsselpersonen der aktuellen Welternährungsdebatte zusammen, darunter den Vorsitzenden des CFS, Noel De Luna, den Koordinator der UN High Level Task Force on the Global Food Security Crisis (HLTF) und Sonderbeauftragten des VN-Generalsekretärs für Nahrungssicherung und Ernährung, David Nabarro, den VN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, den Vorsitzenden des Ständigen VN-Ausschusses für Ernährung (UN Standing Committee on Nutrition, SCN) Alexander Müller, die ugandische Landwirtschaftsministerin Hope Mwesigye sowie weitere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Entwicklungs- und Industrieländern, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Etwa ein Drittel der weit über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Konferenz kamen aus Entwicklungs- und Schwellenländern.
Kernaussagen der Konferenz
1. Gemeinsame Verantwortung erfordert koordiniertes Handeln im Rahmen des CFS als globale Plattform
Der CFS wurde durch die Konferenz als die Plattform zur globalen Koordination zum Thema Nahrungssicherung und Ernährung gestärkt. Der partizipative Ansatz des erneuerten CFS, der bei der Ausgestaltung der Welternährungspolitik die Einbeziehung aller relevanten Akteure – nicht nur Regierungen und Vereinte Nationen, sondern auch Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft – ermöglicht, wurde sehr positiv bewertet. Der CFS müsse nun den hohen Erwartungen durch konkrete Arbeitsergebnisse gerecht werden. Gefordert wurde diesbezüglich abschließende Beschlüsse über die Entscheidungsarchitektur (High Level Panel of Experts, Civil Society Organization Mechanism), eine Entscheidung über den Prozess zur Erarbeitung des Global Strategic Framework for Food Security and Nutrition, die Einnahme einer Führungsrolle des CFS bei der Ausarbeitung (Mapping) von Ernährungssicherungs-strategien sowie signifikante Fortschritte bei relevanten, schwierigen Themen wie dem Zugang von benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu produktiven Ressourcen wie Land.
2. Nationale, regionale, lokale und globale Ernährungssicherungsstrategien miteinander verzahnen und am Recht auf Nahrung ausrichten
Hervorgehoben wurde die Notwendigkeit einer engen Verzahnung der globalen mit der regionalen, nationalen und lokalen Ebene. Hierzu habe der CFS den Auftrag, zunächst die bereits funktionierenden nationalen und regionalen best practices in den Blick zu nehmen und auf diesen aufzubauen. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde die Bedeutung des Rechts auf Nahrung und der erforderlichen Rechenschaftspflicht (accountability) ausdrücklich hervorgehoben. Gefordert wurde, das Recht auf Nahrung zu einem Leitmotiv des von CFS zu erarbeitenden Global Strategic Framework zu erklären sowie einen Monitoring-Mechanismus beim CFS zu schaffen, der die Freiwilligen Leitlinien zum Recht auf Nahrung als Messlatte anlege. Verschiedentlich wurde eine Fokussierung der Ernährungssicherungsstrategien auf die Aspekte Gender und Jugend angemahnt.
Der Prozess zur Erarbeitung von Freiwilligen Leitlinien zur verantwortungsvollen Verwaltung von Boden- und Landnutzungsrechten und anderen natürlichen Ressourcen (Voluntary Guidelines for Responsible Governance of Tenure of Land and other Natural Resources) in der FAO wurde einhellig unterstützt.
3. Rahmenbedingungen für verantwortungsvolles privatwirtschaftliches Engagement schaffen und Zugang zu Land verbessern
Im Rahmen der Diskussion über verantwortliches Engagement der Privatwirtschaft wurde anerkannt, dass private Investitionen eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Ernährungssicherung leisten können, sofern sie auf eine Verbesserung von Einkommen und Beschäftigung der lokalen Bevölkerung, die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion und die Verbesserung des Zugangs zu Nahrung ausgerichtet sind.
Zur Förderung der Ernährungssicherung sollte die Zusammenarbeit zwischen dem Privatsektor, den Regierungen, der lokalen Bevölkerung und der Zivilgesellschaft gestärkt werden.
4. Aspekte der Ernährung in Strategien zur Hungerbekämpfung einbeziehen
Einstimmige Unterstützung fand der Ansatz, den Aspekt der bedarfsgerechten und gesundheitsförderlichen Ernährung (nutrition) künftig stärker in Nahrungssicherungs-Strategien einzubringen. Dazu bedarf es unter anderem der Entwicklung einheitlicher Standards und Indikatoren, die sich auch auf menschenrechtliche und Gender-Aspekte beziehen und der erforderlichen Zusammenschau von Nahrungssicherung, Gesundheit und Fürsorge Rechnung tragen. Darüber hinaus sollten CFS und der Ständige VN-Ausschuss für Ernährung (UN Standing Committee on Nutrition, SCN) eng zusammenarbeiten. Auch eine Stärkung des SCN könnte von Nutzen sein.
Zusammenfassende Bewertung
Die Konferenz hat den Willen der an der aktuellen Welternährungsdebatte beteiligten Akteure deutlich gemacht, den CFS als globale Koordinationsplattform zur Sicherung der Welternährung zu stärken, den partizipativen und ergebnisorientierten multi-stakeholder-Ansatz des CFS mit Leben zu füllen und das Recht auf Nahrung durch entsprechend ergebnisorientierte Ernährungssicherungsstrategien zu verwirklichen. Durch die erarbeiteten Handlungsempfehlungen konnten wichtige Impulse für die künftigen internationalen Prozesse, insbesondere für die konkreten weiteren Arbeitsschritte des CFS gesetzt werden.
Weitergehende Informationen zu den Konferenzergebnissen sind in der Zusammenfassung des Konferenzvorsitzenden, Said Noori-Naeini, sowie in einem gesonderten Dokument mit den Konferenzempfehlungen enthalten.








